
Das Wichtigste
Die Belichtungszeit ist der entscheidende Faktor für ein scharfes Bild bei Motiven, in denen sich etwas bewegt. In der Hundefotografie sind meistens scharfe Bilder gefragt. Um den entscheidenden Moment der Bewegung im Foto einzufangen, ist es erforderlich, dass die Belichtungszeit kurz, manchmal sogar extrem kurz eingestellt wird..
Die Belichtungszeit
Die Belichtungszeit, auch als Verschlusszeit bekannt, bezieht sich auf den Zeitraum, in dem ein Film oder ein digitaler Sensorkamera dem Licht ausgesetzt wird. Wenn der Auslöser meiner Kamera betätigt wird, öffnet sich der Verschluss, und durch die Öffnung der Blende im Objektiv gelangt das Licht für eine bestimmte Zeit auf den Sensor meiner Kamera. Anschließend schließt sich der Verschluss, was übrigens die Herkunft des Begriffs „Verschlusszeit“ erklärt. Die Belichtungsdauer, also die Zeit der Belichtung, wird oft in Zahlen ausgedrückt, wie zum Beispiel „1/50 s“ oder „1/100 s“, was winzige Bruchteile einer Sekunde bedeutet. Die Belichtungszeit, in Kombination mit der Blendenzahl, bestimmt die Lichtmenge, die auf den Film oder Sensor trifft. Es ist jedoch nicht auf winzige Bruchteile einer Sekunde beschränkt. In der Langzeitbelichtung kann der Sensor auch über mehrere Sekunden oder sogar länger dem Licht ausgesetzt werden, was beispielsweise das Fotografieren bei Nacht ermöglicht.
Was bedeutet das nun für unser Projekt, Hunde in Bewegung fotografieren?
Genau, wir wollen ein gestochen scharfes Bild, also das Bild einfrieren (wie im Foto weiter oben, man sieht das gut am aufgewirbelten Schnee). Jetzt wissen wir aber, dass eine sehr kurze Belichtungszeit nur eine sehr geringe Menge Licht auf den Sensor bringt, das müssen wir nun ausgleichen. Dazu haben wir zwei Stellschrauben:
Wir erhöhen den Iso Wert, oder wir öffnen die Blende weit auf. Diese zwei Parameter möchte ich dir etwas näher erklären.
Iso Wert
Generell steht die Abkürzung „ISO“ für International Standard Organization und bezeichnet die Lichtempfindlichkeit des Sensors der Kamera.
Die Anpassung der Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors ist abhängig von den jeweiligen Lichtverhältnissen, der gewählten Blende und der gewählten Belichtungszeit.
Bei idealen Bedingungen: Gute Lichtverhältnisse, mittlere Blendenöffnung und moderaten Belichtungszeiten, können- und sollten wir mit einer geringen Iso Zahl fotografieren.
Sind die Lichtverhältnisse suboptimal- oder benötigen wir eine sehr kurze Belichtungszeit (einfrieren von Bewegungen) und- oder brauchen wir eine eng geschlossene Blende (grosse Schärfentiefe), müssen wir den Iso Wert erhöhen. Ein sehr hoher Iso-Wert geht natürlich immer mit einer Minderung der Bildqualität einher, Kontrastverlust, Bildrauschen und auch die Schärfe leidet darunter. Wie hoch dieser Verlust ist, wird vor allem durch die Sensorgrösse deiner Kamera bestimmt. Jedoch können wir diesen Verlust mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm mittlerweile oft sehr gut korrigieren (siehe Bild unten).


Die Blendenöffnung
Die Blende ist der Dritte wichtige Punkt bei unserem Projekt.
Ich möchte in diesem Beitrag nicht allzu technisch werden, deshalb hier nur ein kurzer Abriss über die Blendenöffnung.
Mit der Blende regelst du die Lichtmenge, die während der gewählten Belichtungszeit auf den Sensor kommt. Mit einer weit offenen Blende kommt somit eine grössere Lichtmenge auf den Sensor- somit wird das Bild heller.
Wichtig zu wissen:
Die Blendenöffnung wird mit ‚f ‚und einer Zahl angegeben. Eine grosse Zahl bedeutet eine kleine Blendeöffnung- eine kleine Zahl demzufolge eine grosse Öffnung. Dies kann am Anfang für Verwirrung sorgen, du gewöhnst dich aber rasch daran. Generell können wir sagen, wie weiter wir die Blende öffnen (kleine Zahl)- umso geringer wird die Schärfentiefe (der Bereich im Bild welcher scharf abgebildet wird). Diese Tatsache können wir gezielt zur Bildgestaltung anwenden- wollen wir das ganze Bild möglichst scharf- wählen wir eine kleine Blendeöffnung (grosse Zahl). Demnach können wir mit einer grossen Blendeöffnung eine geringe Schärfentiefe erzielen (nur ein kleiner Ausschnitt im Bild wird scharf dargestellt).

Fassen wir bis hierher zusammen:
Belichtungszeit: regelt, wie lange wir ein Bild belichten: Je schneller die Bewegung von unserm Motiv ist- umso kürzer muss die Belichtungszeit eingestellt werden, um ein scharfes Bild zu erhalten.
ISO Wert: Hoher Wert bedeutet ein helleres Bild, weil der Sensor lichtempfindlicher wird. Die Bildqualität leidet unter einer sehr hohen ISO Zahl, was wir aber mittels Bildbearbeitung wieder etwas korrigieren können.
Blendenöffnung: Grosse Blendenöffnung bedeutet kleine Blendezahl. Umso weiter wir die Blende öffnen- desto kleiner wird die Schärfentiefe (scharfer Teil im Bild).
Diese 3 Werte (Iso-Belichtungszeit und Blendenöffnung) nennt man Belichtungsdreieck.
Der Fokus
Natürlich könnte ich auch über den Fokus locker seitenlange Berichte schreiben, das werde ich sicher auch noch machen. Hier soll es jedoch um eine knappe und einfache Erklärung gehen, damit du rasch gute Hundebilder machen kannst. Also, was ist nun die beste Wahl in unserm Fall? Auf jeden fall müssen wir einen Autofokus verwenden, weil wir schlicht zu langsam wären um rennende Tiere manuell scharf zu stellen, wir würden ganz selten scharfe Bilder erhalten. Falls vorhanden ist sicher die Einstellung Augenfokus mit Mitverfolgung zu wählen, eventuell kannst du ja im Kamera Menu auch noch auf Tieraugenerkennung umschalten- das ist dann natürlich die Luxuslösung. Ich besitze seit einiger Zeit die Canon EOS R5, welche genau das hat. Es ist sicherlich eine grosse Erleichterung und ich erhalte so weniger Abfallbilder. Aber, es ging auch mit meiner alten Spiegelreflexkamera ganz flott. Falls du noch mit so einer Kamer unterwegs bist, machst du folgendes: Stell bei der Fokuswahl auf AI-Focus (das bedeutet, dass der Focus deiner Kamera die bewegten Motive immer wieder neu fokussiert) und stelle deine Cam auf Serienmodus, so gelingen dir sicher einige scharfe Bilder.

Welches Dateiformat wählen?
Du hast sicher die endlosen Diskussionen über Raw oder nicht Raw auch schon mitbekommen. Ich halte es so: Wenn ich für einen Auftrag arbeite (Hochzeit, Portraits-Shooting, Tierfotografie), fotografiere ich immer im Raw-Format. So habe ich einfach mehr Spielraum bei der Bearbeitung und kann der eine oder andere Belichtungsfehler noch korrigieren. Im privaten Bereich fotografiere ich auch schon mal in JPG-Format, gerade in der Sportfotografie kann es ein Vorteil sein, da der Serienmodus schneller funktioniert.
Welches Objektiv?
Ich mache die meisten meiner Tierbilder mit meinem Canon 70-200 f2.8 Teleobjektiv. Es geht aber auch mit günstigeren Objektiven Teleobjektive mit f 2.8 sind meist nicht ganz günstig. Bei rennenden Tieren möchte ich meistens das ganze Tier scharf haben- nicht nur die Augen. Daher reicht auch ein Objektiv f4.5 oder sogar 6.3 und die sind oft günstig zu haben. Allenfalls musst du halt bei schlechtem Licht die ISO etwas erhöhen- aber wie wir oben festgestellt haben bedeutet das heute keinen Weltuntergang mehr.

Welche Kamera?
Die beste Antwort: Die Kamera, die du im Moment hast. Also gut, einige Wesensmerkmale sind schon wichtig. Die Kamera sollte einen manuellen Modous haben, du solltest sie auf Serienauslösung stellen können- und ja, wenn sie nicht extrem stark rauscht, ist das sicher ein Vorteil.

Das Bild oben habe ich mit meiner alten Canon 6D gemacht, diese Kamera hat sich schon 10 Jahre auf dem Buckel und wurde sehr oft und schonungslos gebraucht- sie funktioniert immer noch tadellos. Gebraucht ist sie sicher momentan für 100- 200 Mäuse zu erhalten. Oder auch meine alte Canon 5D Mark 2, sie ist mindestens 12 Jahre alt und funktioniert immer noch super, sie dient mir heute noch als Backup-Kamera. Diese alten Profikameras gibt es sicher auch von anderen Marken, ich kann halt nur von Canon sprechen, weil ich seit 30 Jahren treuer Canon Benutzer bin. Weshalb also nicht eine gute Gebrauchte kaufen?
Noch ein paar Worte zur Bildbearbeitung
Wenn du dich näher mit der Fotografie beschäftigst, wirst du sicher auch schon das eine- oder andere Gespräch mitbekommen haben, oft handelt es sich darum, was darf man- oder eben was darf man nicht bearbeiten. Ich halte es so: Im privaten darf ich die Bilder so bearbeiten wie ich will, im geschäftlichen bearbeite ich die Bilder, so wie sie dem Kunden gefallen, Punkt. Ich bin Baujahr 1968 und fotografiere also schon sehr, sehr lange. Bin ich deswegen ein Purist? Auf keinen Fall, ich mag solche Diskussionen nicht, jeder soll es halten wie er will. Das war jetzt schon fast philosophisch, kommen wir wieder zurück zum technischen. Mit welchem Bildbearbeitungsprogramm die Bilder bearbeiten? Auch da, bearbeite deine Bilder in dem Programm wo du dich wohl fühlst. Ich bearbeite meine Bilder mit Adobe Lightroom und Photoshop, Photoshop benutze ich seit 25 Jahren und Lightroom seit ca. 15 Jahren. Ja, auch ich habe mich an der Monopolstellung- und der Umstellung auf das Abo-Model bei Adobe geärgert. Ich habe Affinity-Foto und Luminar Neo ausprobiert, wurde aber mit keinem richtig warm. Irgendwie fehlte mir immer irgendetwas. Wobei ich Luminar Neo für Hobbyfotografen irgendwie noch gut finde, weil es weitgehend selbsterklärend ist und daher leicht zu erlernen ist. Jedoch wollen die meines Wissens nächstes Jahr auch auf ein Abo-Model umstellen. Daher, wenn du auf der Suche nach einem geeignetem Programm bist, überlegt dir gut, ob du nicht auf das Adobe Foto-Abo umsteigen willst (Lightroom + Photoshop). Vor allem Lightroom ist wirklich sehr benutzerfreundlich und relativ rasch zu erlernen, zudem auch noch wirklich gut
Wie sage ich es meinem Hund?
Das Wohlbefinden des Hundes steht stets im Vordergrund, das ist entscheidend für authentische Bilder. Die Gefühle der Hunde spiegeln sich in ihren Gesichtsausdrücken und ihrer Körpersprache wider. Wenn du sicherstellst, dass deine Fotosession eine positive und unterhaltsame Erfahrung ist, werden die Hunde das Shooting als aufregendes Abenteuer empfinden und dich mit schönen Bildern belohnen. Ähnlich wie Menschen haben auch Hunde unterschiedliche Tageszeiten, zu denen sie besonders aktiv sind. Der Besitzer kennt diese bestens, daher sprich mit ihm, um die beste Zeit für ein Shooting zu finden.
Freunde dich zuerst mit dem Tier an. Sprich mit ruhiger, gleichmässiger Stimme und bewege dich langsam und bewusst. Das hilft dem Hund, sich schneller zu entspannen und zu erkennen, dass du ein Freund bist.
Sobald ihr Freunde seid, tun sie alles für dich – besonders die Hunde. Sie hören jetzt besser zu und ihr Gehorsam setzt ein. Ich finde es übrigens besser, wenn nur eine Person dem Hund Anweisungen gibt und nicht mehrere Leute (Besitzer, Fotograf etc.) durcheinander rufen.
Es fällt vielen Hunden schwer, über einen längeren Zeitraum ruhig zu stehen. Insbesondere im Freien, in der Natur, werden sie von Gerüchen, Geräuschen oder anderen Hunden abgelenkt. Bei meinen Hunde-Shootings wähle ich bewusst Locations, an denen ich weitgehend ungestört bleiben kann. Wenn ich durch den Sucher meiner Kamera schaue, nehme ich mir die Zeit, um sicherzustellen, dass der Hund gut positioniert ist, der Hintergrund passend und der Hund aufmerksam und neugierig ist.

So, genug gelabert…gehen wir mit unseren Vierbeinern raus und machen coole Bilder.
Ich wünsche euch viel Freude und Erfolg mit euren Hundebilder und würde mich natürlich sehr freuen eure Bilder zu sehen.
Liebe Grüsse
Robert
Mein Name ist Robert Grunder, Fotograf aus der Schweiz und leidenschaftlicher Hunde Fan.

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